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Vorstellung der "Life Vest"
In der Kardiologie des Hermann-Josef-Krankenhauses beginnt mit dem tragbaren Defibrillator ein neues Zeitalter
Erkelenz. In der Kardiologie des Hermann-Josef-Krankenhauses hat ein neues Zeitalter begonnen. Ein neuartiger, tragbarer Defibrillator verschafft Patienten im Anfangsstadium einer Herzschwäche
mehr Sicherheit. Dies erläüterte der Chefarzt der Kardiologie, Dr. med. Klaus-Dieter Winter, bei der Vorstellung der lebensrettenden Weste „Life Vest".
Gerade im frühen Stadium, wenn die Herzrhythmusstörungen erstmals auftreten und das Ausmaß der Erkrankung noch nicht klar ist, sorgt Life Vest für Sicherheit und Lebensqualität der Patienten. Wie bei dem 54-jährigen Frank B., der die Weste seit sechs Wochen trägt und zur ersten Kontrolluntersuchung nach Erkelenz kam. „Ich trage die Weste rund um die Uhr und ziehe sie nur zum Duschen aus", erklärte der Patient. Auch bei den zurückliegenden hohen Temperaturen sei die Weste kein Problem gewesen, betonte er. Der flache Rucksack mit dem Defillibrator, den er auf den Rücken geschnallt hat, wiegt nur rund 400 Gramm, das dazugehörende Monitorgerät 800 Gramm. Es erinnert in seiner Form an ein Langzeit-EKG und meldet auch, wenn die Weste nicht korrekt sitzt und so eine lückenlose Kontrolle nicht möglich wäre.
Im Notfall aktiv
Sollte es zum Notfall in Form eines plötzlichen Herzstillstandes kommen, werden die Elektroden aktiv, die in Gelkissen auf der Haut des Patienten ruhen. Die Kissen werden im Einsatzfall zum Platzen gebracht und die Elektroden können die lebenserhaltenden Stromstöße abgeben.
Dabei kann der Einsatz des Stromstoßes durch den großen Notfallknopf vom Patienten gesteuert werden. Sobald er ihn nicht mehr presst, zum Beispiel wegen einsetzender Ohnmacht, werden die lebenserhaltenden Stromstöße ausgelöst. Dazu ist es bei B. bisher zum Glück noch nicht gekommen. In einigen Wochen wird Klarheit darüber bestehen, ob sein Herzleiden vorübergehend war oder ob ein Defibrillator bei einer Operation eingesetzt werden muss.
Die Daten, die die Life Vest sammelt, werden einmal in der Woche mittels eines Modems über die Telefonleitung zur Auswertung übermittelt. „Wir haben uns zum Schutz des Patienten für diese neuartige Methode entschieden", erklärte Dr. Winter. „Sollte sich eine Besserung einstellen, braucht er keine Operation."
Denn genau für diese Phase der konkreten Diagnose ist das Gerät entwickelt worden. Angeboten wird die Life Vest von einer Kölner Firma. Deren Regionalleiter Franz Josef Schmidt bestätigte, dass die Medizin die Weste als therapeutisches Mittel erkannt habe und vermehrt einsetze. Die Krankenkassen geben den meisten Anträgen auf Übernahme der Kosten statt", erklärte er.
Der Einsatz der Life Vest in Erkelenz wird von dem Unternehmen auch ohne Zusage der Krankenkasse unterstützt. Bevor B. mit seiner Weste wieder nach Hause geschickt werden konnte, wurde er
zwei Stunden lang von Medizinern und Fachleuten des Unternehmens in die Handhabung eingewiesen. In einigen Wochen wird er wissen, ob er sich einer Operation unterziehen muss oder ob es mit dem zeitweiligen Einsatz der Weste genug ist.
Weste hat ein bis zwei Einsätze pro Jahr
Die Defibrillator-Weste wurde im Jahr 2000 entwickelt. Sie ist derzeit deutschlandweit in rund 60 Fällen im Einsatz. Dr. Klaus-Dieter Winter rechnet mit ein bis zwei Einsätzen pro Jahr in Erkelenz.
Die Kosten von 80 Euro pro Tag werden auf Antrag von den Krankenkassen erstattet, obwohl die Life Vest noch nicht zu den empfohlenen Kassenleistungen gehört. „Derzeit müssen wir noch Einzelfallanträge stellen", so Winter. Im Falle des 54-jährigen Patienten sei bisher noch keine Deckungszusage seitens der Krankenkasse erfolgt.
Quelle: Heinsberger Zeitung, Ausgabe vom 04. August 2010

